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Am 15. Januar 2019 erinnerten wir Alumni, gemeinsam mit dem OSI-Lehrkörper und den Studierenden, an die Wiedereröffnung der Deutschen Hochschule für Politik (DHfP) im Jahr 1949. Das Datum 15. Januar markiert ebenfalls die Gründung des OSI-Clubs 2001, und war deswegen umso mehr ein passender Anlass, über die Geschichte des Otto-SuhrInstituts und die Rolle der Politikwissenschaft für die Demokratieentwicklung in Deutschland nachzudenken.

Unsere Festveranstaltung fand in der Ihnestraße 22 statt, im historischen Gebäude des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft in Dahlem, bevor es später seinen eigenen Neubau in der Ihnestraße 21 erhielt. Univ.-Prof. Dr. Bernd Ladwig hielt das Grußwort und betonte den antinationalsozialistischen Konsens, der die gesamte Neugründung prägte. Das Programm der DHfP fasste er mit den Worten des Dichters Hans Magnus Enzensberger zusammen: „Wie kann man die Bevölkerung Deutschlands politisch alphabetisieren?“. Die Frage nach einem politischen Bewusstsein im demokratischen Sinne stand also von Anfang an im Mittelpunkt des Hochschulkonzepts.

Der Festvortrag von Univ.-Prof. emer. Dr. Gerhard Göhler zum Thema „70 Jahre OSI“ gab Einblicke in die Geschichte des Instituts und seiner Gründungsphase. Darin wurde u.a. das Verhältnis von Wissenschaft und Politik Ende der 1940ern aus Sicht von Otto Suhr beschrieben.

„Für Otto Suhr war die Wiederbegründung der DHfP die Reaktion auf ein falsches Verständnis des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik an den deutschen Universitäten in West und Ost. Während im Westen die hehre Wissenschaft von dem schmutzigen Geschäft der Politik getrennt werde, missbrauche der Osten gewissermaßen komplementär dazu die Wissenschaft als eine >>Form des Willens zur Macht<<.“

Andere Stellen gaben die damaligen Reaktionen auf die Neugründung wieder. Nach Theodor Heuß konnte die Bedeutung der Deutschen Hochschule für Politik wie folgt formuliert werden.

„Der Politiker benötige vielfältiges Wissen, um gegenüber dem drohenden Totalitarismus Freiheit und Demokratie auch unter den Bedingungen der Massengesellschaft zu verwirklichen; so stelle die neue Hochschule die Verbindung zur demokratischen Welt her und sei nicht nur für Berlin von Bedeutung, sondern >>symbolisch für ganz Deutschland<<.“

Allerdings waren die Bedingungen an der DHfP in der Anfangsphase äußerst schwierig, wie das folgende Zitat darlegte.

„So schrieb Ernst Fraenkel am 5.12.1952 in einem Brief an Otto Suhr: „Nach meiner Ansicht sind die kennzeichnenden Merkmale, dass
a) unzureichend vorgebildete Studenten
b) ein wissenschaftlich weitgehend undurchforschtes Gebiet
c) unter Leitung von Dozenten, die fast ausnahmslos aus anderen Disziplinen stammen,
d) ohne ausreichende Bibliothek- und Forschungsmöglichkeiten
e) beim völligen Fehlen der sonstwie üblichen Lehr-Lernbücher, Grundrisse etc.
f) ohne finanzielle Mittel, sich das unumgängliche Quellenmaterial anzuschaffen,
g) in weitgehender Unkenntnis des von ihnen im Examen verlangten Wissens
h) ohne klare Vorstellung der praktischen Verwertungsmöglichkeiten des von ihnen zu erwerbenden Wissens zu beherrschen versuchen.“ (Bundesarchiv Koblenz NL 1274 Fraenkel, Bd.8)“

In seinem Vortrag erläuterte Professor Göhler zugleich die Geschichte und die Entwicklung der Politikwissenschaft als eigenständige Disziplin.

Anschließend äußerte sich Andreas Müggenburg, Vorsitzender des OSI-Clubs, und bekräftigte die Rolle der Alumni-Organisation, nicht nur „Bindeglied“ zwischen Absolventen und Studierenden zu sein, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.  Über Dialogformate wie die Veranstaltungsreihe „Debatte Dahlem“ trägt der OSI-Club dazu bei, eine Antwort auf aktuelle Herausforderungen in unserer Gesellschaft zu finden.

Der Flyer zur Festveranstaltung kann hier abgerufen werden:
Flyer_OSI-Club_Festveranstaltung_15.01.

 


Im Rahmen der Festveranstaltung „18 Jahre OSI-Club, 70 Jahre OSI“ erinnerte der ehemalige OSI-Professor Dr. Gerhard Göhler an die Geschichte des OSI und dessen Entwicklung in der sich wandelnden Bundesrepublik.

 

Auszug aus der Rede von Dr. Gerhard Göhler:

 

„Am 15.Januar 1949 wurde die wiederbegründete Deutsche Hochschule für Politik (DHfP) mit einem Festakt in der Cäcilienschule am Nikolsburger Platz feierlich eröffnet. Anwesend waren neben Bürgermeister Ernst Reuter der Kommandant des britischen Sektors, in dem die Hochschule anfangs lag, Vertreter der anderen beiden westlichen Besatzungsmächte sowie Vertreter der politischen Parteien und der Gewerkschaften. Die beiden großen Festansprachen hielten zwei ehemalige Dozenten der alten DHfP, der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung und Direktor der neuen Hochschule, Otto Suhr, und der spätere erste Bundespräsident, Theodor Heuß. Für Otto Suhr war die Wiederbegründung der DHfP die Reaktion auf ein falsches Verständnis des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik an den deutschen Universitäten in West und Ost. Während im Westen die hehre Wissenschaft von dem schmutzigen Geschäft der Politik getrennt werde, missbrauche der Osten gewissermaßen komplementär dazu die Wissenschaft als eine >>Form des Willens zur Macht<<. Angesichts dieser beiden gleichermaßen gefährlichen Missdeutungen müsse Politik seitens der Wissenschaft wieder als das verstanden werden, was allein ein demokratisches Gemeinwesen begründen kann: als eine große geistige Aufgabe und Herausforderung aller Bürger. In diesem Sinn solle die neue Hochschule einen demokratischen Standpunkt erarbeiten, zur politischen Bildung beitragen, eine demokratische Ethik fördern und das erforderliche technisch-politische Rüstzeug vermitteln. Theodor Heuß betonte die pädagogischen Intentionen der Neugründung. Sei Politik überhaupt lehrbar? Sehr wohl, sagte er in Anspielung auf häufige Weimarer Diskussionen, und so gehe es für die Hochschule darum, >>die Deutschen in der Führung ihrer politischen Geschäfte geschickter zu machen<<. Der Politiker benötige vielfältiges Wissen, um gegenüber dem drohenden Totalitarismus Freiheit und Demokratie auch unter den Bedingungen der Massengesellschaft zu verwirklichen; so stelle die neue Hochschule die Verbindung zur demokratischen Welt her und sei nicht nur für Berlin von Bedeutung, sondern >>symbolisch für ganz Deutschland<<.“

Die vollständige Rede kann hier heruntergeladen werden: 70 Jahre OSI_Gerhard Göhler

 

 


 

 

 

An der Freien Universität startet ein neues öffentliches Diskussionsformat mit dem Titel „Debatte Dahlem“. Es soll renommierte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wissenschaft in lebendigen Diskussionsrunden zusammenbringen.

Die Debatten drehen sich um wichtige Streitfragen der Gegenwart aus Politik und Gesellschaft, etwa um den Wandel der öffentlichen Debattenkultur, um die Rolle des deutschen Parlaments als Kernstück der Demokratie in polarisierenden Zeiten, oder um Wahlen. Das Gesprächsforum wurde vom Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft sowie vom OSI-Club an der Freien Universität Berlin ins Leben gerufen. Die Veranstaltungsreihe ist öffentlich, der Eintritt frei. Bei der Auftaktveranstaltung am 4. Februar 2019 geht es darum, wie in Zeiten politischer Anspannung öffentliche Debatten geführt und wie sich die eingespielten Arbeitsweisen im Parlament seit dem Einzug der Partei AfD im Oktober 2017 gewandelt haben.

Zum Thema „Abschied vom ‚Arbeitsparlament‘? Debattenkultur und Arbeitsweise in Zeiten wachsender Polarisierung“ diskutieren die Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), der Präsident des Deutschen Bundestages a. D. Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU) sowie die Politologin Prof. Dr. Sabine Kropp (Freie Universität). Die Journalistin Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros der Rheinischen Post, moderiert die Debatte.